Interview mit Mr. Mike

Anlässlich seines Trips an die WMC Miami hat sich das Magazin “Partynews” mit Dj und MAP Dance Records Gründer Mr. Mike unterhalten. Hier das vollständige Interview:
Du scheinst der erste in der Westschweiz gewesen zu sein, der es verstand ein DJ zu sein, was soviel heisst, wie eine eigene Persönlichkeit zu schaffen…
Mein Stil macht vielleicht diesen Eindruck angesichts meiner Vergangenheit. Ich bin mit Black Music aufgewachsen und hatte viele facettenreiche Idole. Ich liess mich nie beeindrucken von Stars, die ihre Karriere aufgrund von Drogenproblemen oder persönlichen Umständen zum Erliegen brachten. Meine Anerkennung galt schon immer den Künstlern, welche ihr Leben meistern. Insbesondere denen, welche aus dem Nirgendwo kommen und es bis an die Spitze schaffen. Als ich in die Schweiz kam, hatte ich das Glück, bei Couleur 3 einen Job zu angeln, welcher mir schliesslich ermöglichte, eine eigene Persönlichkeit zu schaffen. Indem ich an Parties mein Bestes gab, konnten die Leute dieser Stimme schliesslich auch ein Gesicht zuordnen – ohne Publikum wäre ich nichts.
Radiomoderator, DJ, Produzent, Businessman, wie bringst du all das unter einen Hut?
Man muss lernen, gewisse Dinge an kompetente Leute zu delegieren. Es arbeiten vier Leute für mich, das erlaubt mir, noch andere Sachen zu machen. In der Schweiz ist es dennoch nicht selbstverständlich im musikalischen Bereich Professionalität zu finden, ich behalte deshalb immer ein Auge auf das, was meine Mitarbeiter machen.
Du bist soeben aus Mexiko zurückgekommen, nachdem du an einer Party in Miami aufgelegt
hast. Wie vereint man Job und Familienleben, wenn man sein Leben im Flugzeug verbringt?
Zum einen ist es nicht selbstverständlich, zum anderen hab ich das Gefühl, es nicht schlecht hinzukriegen. Meine Frau und ich managen diesen Aspekt schon seit langem zusammen. Mein Studio habe ich bei uns zu Hause eingerichtet, was mir ermöglicht, dort Musik zu komponieren sowie Sendungen zu produzieren. Ich bin also nur von zu Hause weg, wenn ich irgendwo mixe oder in meinem Büro in Bern vorbeigehen muss. Somit kann ich mindestens drei Tage pro Woche mit meiner Familie verbringen. Seit einiger Zeit lege ich sowieso immer weniger auf. Ich treffe mehr Entscheidungen bezüglich meiner Termine, ich bin anspruchsvoller geworden und das ist wahrer Luxus. Jeden Tag aufstehen, um dann in einem Büro arbeiten zu gehen – das hätte ich wohl nie geschafft.
Du lebst seit 1987 in der Schweiz. Fehlt dir deine Heimat Jamaika sehr?
Sagen wir mal, dass ich mich in erster Linie als Europäer fühle. Ich bin in London aufgewachsen. Ich gehe mit meiner Familie einmal im Jahr nach Jamaika, aber ich habe nicht das Gefühl, dass es mir besonders fehlt. Vielleicht kehre ich eines Tages in meine Heimat zurück, aber daran denke ich zur Zeit nicht. Dort drüben haben sie einen anderen Lebensstil. Sobald ich ein paar Wochen in Jamaika bin, beginne ich mich zu langweilen, es geht alles viel langsamer vorwärts.
Du willst Ende Jahr eine retrospektive DVD über deine Karriere herausgeben. Bedeutet das, dass du dieser bald ein Ende setzen wirst?
Nein, keineswegs. Ich hatte einfach Lust, alle schönen Momente der Schweizer Szene der letzten Jahre auf eine einzige DVD zu bringen, damit die Jugendlichen von heute wissen, wie es damals war. Ich denke da insbesondere ans Dancefloor-Syndrom und die vielen Parties in Neuchâtel. Die DVD wird mit ziemlicher Sicherheit zusammen mit einer MAP Dance Compilation rauskommen.
Seit deinen Anfängen, konntest du jegliche Entwicklungen in der Schweizer House-Szene mitverfolgen, wie betrachtest du sie heute?
Die Schweizer Szene hat keine Richtung mehr. Der Elektro-Trend ist einfach nur cheap! Die Tecktonick auch! Die House-Szene hingegen ist nicht tod, aber es braucht ein paar fähige, seriöse DJs, die sie vorantreibt. Das ist zur Zeit nicht wirklich der Fall, aber wer weiss, vielleicht in ferner Zukunft.
Mr. Mike, du bist hinter deinem Lächeln ein Mythos geworden – bist du ein glücklicher Mensch?
Ja, ich befinde mich auf dem guten Weg. Ich bin glücklich, wenn ich mixen kann, wenn ich die Jugend lachen sehe. Im Leben, bin ich im Reinen mit mir – das ist das Wichtigste.







